Die 2006er Ausgabe des Times Higher Education Supplement stellt der Universität Heidelberg den Rang 58 unter den 200 Spitzenuniversitäten weltweit aus. 44,3% der Punkte erhält sie, 100% schafft allein Harvard. Könnte besser sein, denkt man sich, aber immerhin. Doch siehe da: Von den deutschen Unis liegt Heidelberg vorn. Wir sind Deutschlands Nummer 1! Und dabei keine Exzellenzuniversität.
Aber wie dem auch sei – was die Computerlinguistik im deutschlandweiten Vergleich angeht, so gelten sowieso andere Maßstäbe. Fragt man unter NLP-Profis nach, so liegt Heidelberg komischerweise immer irgendwie ganz weit hinten. Vorn steht normalerweise Saarbrücken. Stuttgart, Tübingen, Potsdam, Bremen verteilen sich irgendwie auf den darauf folgenden Plätzen. Verwunderlich ist das nicht wirklich, denn an der CL Heidelberg findet schon seit einer Weile keine Forschung mehr statt und personelle sowie strukturelle Schwierigkeiten lassen momentan keine Entwicklung zu. Änderung ist vorerst nicht in Sicht. Dabei ist die Lehre, obwohl natürlich auch sie unter den genannten Missständen leidet, dort gar nicht schlecht – das Kursangebot fördert starke theoretische Grundausbildung, ist reichhaltig genung, ausgewogen und steht Seminaren anderer deutscher Unis in Nichts nach, im Gegenteil. Ein tatsächliches Manko und Resultat fehlender Forschungsgelder (und fehlender Forschung) aus studentischer Sicht ist der Mangel an HiWi-Jobs und Praktikumsmöglichkeiten. Studenten auf Draht finden aber immer etwas, allein die Nähe zu Einrichtungen wie dem EML oder Firmen wie SAP bieten genügend Möglichkeiten und auch ein wenig Reiselustigkeit schadet dem modernen Studenten nicht.
Das Verhältnis der Kompetenz von Studenten zum Ruf ihrer jeweiligen Unis folgt einer einfachen, zirkulären Logik: wenn die Uni einen guten Ruf hat, werden sich mehr Studenten dort bewerben und desto strenger sind die Auswahlkriterien zur dortigen Zulassung. Wer also gute Noten aus der Schule mitbringt, hat die besseren Chancen, an einer guten Uni angenommen zu werden und über ein paar Umwege steigt damit wiederum der Ruf der Uni. Trivial? Klar, aber es werden auch einige Dinge ausblendet: Zum einen sind Schulnoten noch nie eine Garantie für Intelligenz oder Talent gewesen. Vor allem aber ignoriert dieser Gedankenkreis die Tatsache, dass auch weniger berühmte Unis hohe Ansprüche an ihre Lehre haben können und helle Köpfe nicht unbedingt von Elite-Unis kommen müssen, die viel teure Forschung betreiben. Es gibt schließlich auch für talentierte Studenten durchaus Gründe, nicht an einer Elite-Uni zu studieren, aus örtlicher Abhängigkeit von Job oder Familie, zum Beispiel.
Arbeitgeber sollten Hochschulrankings einfach ignorieren. Sie sagen nichts über die Qualifikation eines Bewerbers aus. Ein guter Student ist unabhängig von seinem Institut und der Großteil der fachlichen Bildung wird außerhalb der Uni erlangt. Gerade im globalen Zeitalter mit technischen Möglichkeiten, welche die Kommunikationswege zwischen Unis, Ländern und ganzen Kontinenten verschwinden lassen, ist es leicht möglich und wichtig, interessiert zu sein, Kontakt zu Fachkollegen über Weblogs aufzunehmen, sich über Mailinglisten auf dem Laufenden zu halten oder auch aktiv an Debatten teilzunehmen. Zumindest was die Selektion qualifizierter Studenten angeht, verfehlen Hochschulrankings den Geist der Zeit. Und ob ihre Aussagekraft, gerade in Anbetracht ihres allgemeinen, fächerübergreifenden Charakters, jemals einen hohen Wert hatte, bleibt zu bestreiten.